Ortschaft Scharfenberg, Gemeinde Klipphausen, Landkreis Meißen
Einwohner:
Fläche: 457ha
Dorfform: Rundplatzdorf

Naustadt, Dorfstraße

Bauliche Besonderheiten

Naustadt zeichnet sich durch eine gut erhaltene Struktur aus. Markant bilden die im oberen Teil ringförmig angelegten Drei- und Vierseitgehöfte mit der imposanten Kirche das Zentrum. Am unteren östlichen Eingang des Ortes befand sich das Vorwerk, einst mit Schankrecht. Der weit aufragende Kirchturm trägt seit einem Brand zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine spitze Haube. Der Baukörper stammt dagegen weitgehend aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert (1585). Als Patronatskirche der nahe gelegenen Schlösser Scharfenberg und Batzdorf des alteingesessenen Geschlechts derer von Miltitz birgt sie manchen Schatz. Sie zeigt spätmittelalterliche Spuren und wurde mehrfach beschädigt, umgebaut und erneuert. Die reiche Innenausstattung des Chorraumes kommt vorwiegend aus der Werkstatt Hans Köhlers um 1600.

Naustadt, Patronatskirche EpitaphWeit über die Region hinweg bekannt wurde Naustadt durch das Kändler-Epitaph, eine der ganz wenigen seiner Großplastiken aus Sandstein. Der Porzellankünstlers schuf es für Alexander von Miltitz, der Geheimer Rat am Hofe August des Starken und Prinzenerzieher war. Die Restaurierung (2005) versuchte einen Eindruck der einstigen porzellanenen Zartheit der spätbarocken Farbfassung wiederzugeben.

Die Kirche ist bis in die Gegenwart der Versammlungsort einer lebendigen Kirchgemeinde, die auch in kritischen Zeiten das Gebäude pflegte. Letzter Beleg dafür ist der Abschluss der Restaurierung der Orgel im Jahr 2011; daneben sei das beeindruckende Kruzifix aus Meißner Porzellan erwähnt (künstlerischer Beitrag des 20. Jahrhunderts, gestiftet 1999).
Um die Erinnerung an das Leid durch Kriege wach zuhalten, wurden bronzene Tafeln am Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg auf dem Naustädter Friedhof angebracht (2001). Mit dem Symbol der Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ wird eindeutige Stellung bezogen. Die noch freie und ungestaltete Seite der Stele ist eine stille Mahnung an unsere Zeit.

Naustadt, Fenster-StilllebenUnscheinbar und vergessen scheinen hingegen die Grabtafeln an der Ostseite der Kirche, das romantische Gartengrab der Ehefrauen und der Tochter des Dietrichs von Miltitz. Dietrich nahm als Reformer und preußischer General eine wichtige Stelle ein, bei der Bewahrung der Zivilbevölkerung vor Kriegsdrangsalen, beim Aufbau von Bildungsstätten und bei der Gestaltung einer neuen Ständeordnung. Das Sächsische Staatsarchiv bewahrt anrührende Briefe und Zeichnungen seiner früh verstorbenen ersten Frau und seine Tochter auf. Seiner Fürsorge sind die Erhaltung und Neugestaltung der Kirche nach den Napoleonischen Kriegen zu danken (1817).

Als Glücksfall sind die frühen und vielfältigen Bemühungen um den Schutz und Fortbestand der Baudenkmale zu werten. Unmittelbar nach 1990 gab es erste Ansätze, Naustadt als Gesamtanlage vor unkontrolliertem Neubau zu schützen. Eine Satzung wurde jedoch erst 2002 verabschiedet – rechtzeitig genug, um Dorferneuerungsprogramme auf den nun allgemein anerkannten kulturhistorischen Wert abzustimmen. Folgerichtig entdeckten kulturell interessierte Menschen, besonders aus dem Raum Dresden, diesen Ort, so dass nahezu alle historischen Gebäude erhalten blieben und z.T. einer neuen Bestimmung zugeführt werden konnten. Dazu gehört auch die alte Schule.
Ein Schulneubau (2005) wurde aufgrund stabiler Geburtenzahlen möglich und erhöht die Attraktivität des Dorfes.

Naustadt, Gehöft 3Natürliche Besonderheiten

Der Ort liegt linkselbisch auf einer leicht hügligen Hochfläche, die durch die „Linkselbischen Täler“, die Teil eines größeren Naturschutzgebietes sind, gegliedert wird. In den Auen, auf Trockenwiesen, bewaldeten Hanglagen, alten Weinbergen, Steinbrüchen und Bergwerkshalden – den Pinnen – haben sich seltene Pflanzen und Tiere erhalten.
Ein bescheidener traditioneller Anbau von Wein, Hopfen und Obst konnte sich neben der Großfelderwirtschaft behaupten. Alleen mit Obstbäumen prägen das Bild, sie werden gepflegt und nachgepflanzt. Seit dem 12. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Region Silbererz abgebaut.

Die Region

www.elbland.de

Weitere Informationen

www.klipphausen.de

Erreichbarkeit

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