Vorstand und Beirat der IG Sachsens Schönste Dörfer haben am 18. September 2017 gemeinsam getagt. Tagungsort war diesmal Kleinwelka, dörflicher Ortsteil von Bautzen. Mit Kleinwelka stand wieder ein Dorf mit reichem Bestand an historischer Bausubstanz und überaus interessanter Geschichte als Kolonie der Herrnhuter Brüdergemeine im Fokus.

Mike Salomon (Remise e.V.) und Friedemann Koban (Ortsvorsteher) führen die Vorstands- und Beiratsmitglieder durch das Ensemble der Schwesternhäuser und den Ort insgesamt. Kleinwelka wurde 1345 das erste Mal urkundlich erwähnt. 1751 gründeten Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeine die Kolonie Kleinwelka, die sie nach den architektonischen Vorstellungen dieser Freikirche entwickelten. Zentrum des Ortes ist seitdem der Herrnhuter Kirchsaal. Eine wichtige Rolle spielte ab 1778 das Internat für Kinder von Missionaren (Knaben- und Mädchenanstalt). Zahlreiche Missionskinder kamen über mehrere Jahre zur schulischen Ausbildung aus Labrador, Suriname, Tanganjika und Natal nach Kleinwelka und wechselten in höheren Klassen an das Herrnhuter Pädagogium in Niesky über. In Kleinwelka begann die Brüdergemeine 1751 ihre Arbeit und baute diesen Ort zu einem Stützpunkt für ihren Missions- und Besuchsdienst unter den Sorben in der Ober- und Niederlausitz aus. In der Brüdergemeine wurde gemeinschaftlich gelebt und gearbeitet. So entstanden große Häuser in dem kleinen Dorf: Schwesternhaus, Brüderhaus, Witwenhaus usw. Heute sind die „Schwesternhäuser“ ein denkmalpflegerisch höchst interessantes Ensemble, weitgehend im Originalzustand einer Herrnhuter Koloniegründung erhalten. Erbaut ab 1770, umfasst das Ensemble sechs Gebäude und diente den ledigen Schwestern und älteren Mädchen der Herrnhuter Glaubensgemeinschaft als Wohn- und Arbeitsort sowie als geistiges Zuhause.

Seit dem Jahr 2000 blieben die Gebäude ungenutzt. Sie sind heute in hohem Maße sanierungsbedürftig und warten auf spätere Nutzungen. Der Remise e.V. belebt das Ensemble der Schwesternhäuser derzeit mit einem wertvollen Kulturangebot sowie durch die Nutzung von Teilen des Gebäudes für Gäste (Ferienwohnungen, Gästezimmer). Das ganze Dorf, es hat heute knapp 760 Einwohner wird bis heute in starkem Maße durch die einzigartige Bauten der Herrnhuter Brüderschaft geprägt.

Fazit: Der bauliche Bestand und die unglaublich interessante Geschichte, die mit der historischen Bausubstanz verknüpft ist, machen Kleinwelka zu einer Einmaligkeit – und zu einem außerordentlich reizvollen Ort mit erheblichem Potenzial für eine Mitgliedschaft in der IG Sachsens Schönste Dörfer.

Hier einige Fotos vom Besuch in Kleinwelka.